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Man sollte die Städte auf dem Lande bauen, da ist die Luft besser. Henri Bonaventure Monnier (1799 - 1877)
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Historische Baustoffe

Eine kurze Einleitung in die Entstehung des Fachwerkbaues

Der Pfostenbau - Grubenhaus bei Northeim Die Vorläufer unserer heutigen Fachwerkbauten waren einfache Hütten und Pfostenbauten. Beim Pfostenbau wurden die senkrechten Holzstützen des Hauses in den Erdboden eingegraben. Starke Dachlasten oder gar belastbare Dachböden konnten diese Pfosten nicht tragen. Zwar wurden im Küstengebiet zur Eisenzeit bei größeren Pfostenbauten schon die notwendigen Versteifungen entwickelt, aber das Ganze blieb in seiner Statik doch etwas „wackelig“. Die Nachteile des Pfostenbaus mit der schnellen Fäulnisbildung an den im Erdreich eingegrabenen Pfosten führen zur Entwicklung des Ständerbaus. Die Pfosten werden nicht mehr in das Erdreich eingegraben, sondern auf Steine oder andere Unterlagen gesetzt. Das führt dazu, dass die Wände nun stärker gesichert werden müssen, um sie vor dem Umkippen zu bewahren.

Ständerbau (Quedlinburg, Wordgasse 3) - Die Urform des Fachwerkbaus stellt der Ständerbau dar, sogenannt, weil Pfeiler, Säulen oder Ständer dem Haus von der Grundschwelle bis zum Dach die notwendige Stütze geben. Das älteste vollständig erhaltene Haus dieser Bauform stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Das bis 1965 bewohnte Haus wird seit seiner Restaurierung als Museum genutzt, in dem Exponate die Entwicklung des Fachwerks darstellen. Am 10. Juli 1997 wurde der Ständerbau das Opfer eines nächtlichen Brandanschlages. Nach den Sanierungsarbeiten wurde der Ständerbau wieder eröffnet und kann wieder besichtigt werden.
An dieser Stelle beginnt eigentlich die Geschichte des Fachwerkbaues. Denn jetzt werden mehrfach gesicherte Konstruktionen nötig. Innerhalb der Wandbereiche werden Hölzer schräg gestellt (Streben) und Riegel eingefügt. Allein mit diesen zwei Konstruktionselementen können die seitlich einwirkenden Kräfte abgefangen werden und die Wand statisch gesichert. Lange Zeit bleibt die Sicherung der Ständer zum Erdboden hin noch ein Problem. Erst im 15. Jahrhundert wird es allgemein üblich, die Ständer auf durchgehende Schwellen zu setzen und diese durch ein Fundament gegen Feuchtigkeit zu schützen. Mit dieser Konstruktion war die Entwicklung des Fachwerks weitgehend abgeschlossen. Änderungen sind nun eher in den gestalterischen und dekorativen Elementen zu finden. Zwischen 1450 und 1550, in der Ablösezeit der Gotik hin zur Renaissance, erfolgt noch einmal eine Weiterentwicklung und Ausgestaltung der konstruktiven Möglichkeiten des Fachwerkbaus. Neben seiner technischen Vollendung erlebte das Fachwerk vom 16. bis ins 17. Jahrhundert in der Schnitzkunst der Hausgiebel seine höchste Blüte. Im Gegensatz zu Süddeutschland, wo die einzelnen Wandgefache mit künstlerisch gestalteten Querstreben ausgefüllt sind, hat das norddeutsche Fachwerk auch bei reichen Giebelschnitzereien den strengen Charakter des rein konstruktiven Balkenwerkes weitgehend bewahrt. Hinzu kommt der Einfluß der Renaissance auf die Gestaltung der Schmuckelemente an den Fachwerkfassaden. Die erhaltenen stellen noch heute gleichsam ein Lesebuch dar für den tiefgreifenden Bewusstseinswandel, der sich in dieser Zeit vollzieht. Ein schönes Beispiel ist das Eickesche Haus in Einbeck.

Calw -Impressionen - Fachwerkimpressionen aus Calw.
Im Laufe der Geschichte hat es mehrere Beispiele für die unterschiedliche Wertschätzung der Fachwerkbauweise gegeben. So galten die Fachwerkhäuser im 18. und 19. Jahrhundert als besonders brandgefährdet. In Einbeck – wie auch in anderen Städten –wurde deshalb die Verputzung der Fachwerkfassaden angeordnet. Verheerende Stadtbrände lieferten dafür ausreichende Gründe. Ein weiteres Argument war der bäuerliche Charakter, den damals viele als ärmlich empfanden. Diese „Geringschätzung“ des Fachwerks blieb bis in das 20. Jahrhundert bestehen. Heute sind Fachwerkhäuser wieder "modern". Die historischen Fachwerkhäuser werden erhalten und auch der Fachwerkneubau erlebt eine Renaissance.

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